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Bericht von Walter Merk umrahmt mit Foto's von Georg Diehl

In den 30-er Jahren zählten etwa 400 Wirtschaften zum Kundenstamm, darunter zwei in Stuttgart. Nach Friedrichshafen fuhren zwei Eisenbahnwaggons. Depots in Friedrichshafen, Krauchenwies, Leutkirch, Münsingen, Neuhausen/Fildern, Ratzenried, Ravensburg, Singen, Ulm und Urach sorgten für die zügigen Lieferungen auch an die abgelegenen Abnehmer. Wegen der fehlenden Kühlmöglichkeit mußte der Kunde oft täglich, wenn nötig auch mehrlmals angefahren werden. Mit den Brauereigäulen wurde sommers wie winters das Bier geführt. Etwa 10 Schlitten standen im Winter bereit. Auf einen Schlitten konnte man bis 15 Holzfässer zu je 30 Litern laden. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Umstellung auf Lastwagen. 1970 waren 12 Lastwagen unterwegs, um die rund 60000 Hektoliter Bier und alkolholfreien Getränke pro Jahr zum Kunden zu bringen.

Mit dem Verkauf der Brauerei an Fürstenberg endete 1970 abrupt die Zeit des Warthauser Bieres mit dem Werbezeichen des wackeren Schwaben, das bei den Sammlern immer größeres Ansehen genießt.

1938 besaß die Braurei Warthausen 10 LKW's und 4 Pferdegespanne, sowie 2 firmeneigene Eisenbahn-Kühlwaggon. Für weiter entfernte Kunden wurde das Bier über Bierdepots (Münsingen. Ulm, Ravensburg, Ratzenried bei Wangen und Friedrichshafen) ausgeliefert. Die Bierfuhrwerke brachten das Bier in die nähere Umgebung, so z.B. nach Baltringen, Mietingen, Berg bei Ehingen und etwas früher sogar bis Altsteusslingen und Grötzingen auf der Schwäbischen Alb. In südlicher Richtung war es vor allem Biberach, Ummendorf, Fischbach und Füramoos, die mit Pferdefuhrwerken angefahren wurden. Im Gasthaus "zur Linde" in Ummendorf, dessen Nachbar Walter Merk war, kam schon in frühester Jugend mit den Bierfuhrwerken in Berührung und war mit ausschlaggebend für den späteren erlernten Beruf als Industriekaufmann in der Brauerei Warthausen im Jahre 1938.

Nach dem 1. Weltkrieg, arbeitete sich die Brauerei Warthausen zur größten Brauerei Oberschwabens und der Region Bodensee empor. Der Betrieb beschäftigte über 60 Arbeiter. 4 Biersieder und 6 bis 8 Mälzer waren für die Güte des Lager-, Weizen- und Pilsbieres verantwortlich. In vier großen Kellern wurde das Bier gelagert. In vielen Gemeinden Oberschwabens blickte der "wackere Schwabe" dem Biertrinker entgegen. und es waren über 250 Kunden, sog. Zapf- oder Achskunden zu beliefern.

Bei den Kunden auf dem Lande musste der Bierkutscher die landwirtschaftlichen Arbeiten noch mit erledigen. Diese Arbeiten gehörten einfach zum Kundendienst und mußten selbstverständlich unentgeltlich getan werden. Die Brauereipferde kannten den Heimweg ja genau und sind des öfteren mit schlafendem Bierkutscher auf dem Bock im Brauereihof angekommen, denn das Kundschaftsbier tat eben auch damals schon seine Wirkung.

Bei den LKw waren Daimler-Benz und Magirus die bevorzugtenMarken. Die älteren Fahrzeuge hatten noch Vollgummireifen und Handbremse und Schaltung außerhalb der Wagentüre. Der obere Teil der Wagentüre war mit Segeltuch abgeschirmt, also ohne Glas, denn man mußte ja zum Schalten über die Wagentüre hinweggreifen. Die Brauerei hielt es beim LKW-Kauf meistens so, dass ein Teil des Kaufpreises in Ware, also in Bier geliefert bzw. bezahlt werden konnte und das waren dann immerhin 300 - 500 Kasten Bier. der Bierpreis für solche Gegengeschäfte wurde von den Lieferfirmen der LKW sehr gedrückt, da die Konkurrenz seitens der Brauereien auch damals schon sehr groß war.

In den Sommermonaten wurden die Bierniederlagen in Ratzenried und Friedrichshafen mit den betriebseigenen Eisenbahnwaggons beliefert. Diese Kühlwaggons waren zugleich Werbeläufer der Brauerei, denn der Firmennamen prangte groß an den Außenseiten. Zusätzlich mußte im Sommer Eis in die Waggons verladen werden. 6 -8 Zug Eis zu je 18 Stangen a 30 kg mußte bei einer Lieferung von 60 - 80 hl mitgeliefert werden. Die Brauerei Warthausen besaß eine Kunsteiserzeugungsanlage und war damit schon sehr modern eingerichtet. Außer Kunsteis wurde auch Natureis erzeugt bzw. eingefahren und zwar aus dem Eisweiher in Warthausen und den Weihern in Birkenhard. Im Eisweiher in Warthausen war die Baufirma Anton Wachter in tätig, das Eis große Stücken aus dem Weiher zu sägen, welches dann von Baueren mit Ihren Schlitten zum Eishaus im Brauereihof gefahren wurde. Für Bauern war dies ein netter Nebenverdienst im Winter.

20 - 30 Schlittengespanne aus Warthausen und Birkenhard fuhren Eis und man war darauf bedacht, möglichst viele Fuhren zu machen, denn es wurde ja nach Fuhren und nicht nach Gewicht bezahlt, so dass es manchmal auf das richtge Stapeln auf dem Schlitten ankam. Das Eis wurde auf einen Eisenrost geschüttet und mit Holzschlegeln zerschlagen. Ein Becherwerk beförderte das Eis ins Eishaus. Eisgalgen wo das Eis per Spritzverfahren erzeugt wrude, gab es in der Niederlagen Ratzenried und Münsingen, sowie im Gasthaus zum Hechtkeller in Biberach. Für die Bierfahrer war es im Sommer eine Heidenarbeit und auch unbeliebt, Natureis zu laden, denn man war oft verschwitzt. Im Eishaus mußte man das Eis erst lospickeln und dann in Körbe oder Eiswannen auf den LKW bzw. das Fuhrwerk befördern. Die Gaststätten hatten meistens noch sog. Eishäuser, die vom Brauereimaurer erstellt werden mußten. Hier wurden das Eis und Bier gelagert.

 

Die Arbeitszeit in der Brauerei begann in der Regel um 6 Uhr für bis am abend 18:00 Uhr. Dies galt für den Brauereidirektor und den Brauereiarbeiter genauso wie für den Bürolehrling und das von Montag bis Samstag. Um 6:00 Uhr früh stand Herr Neher bereits an der Anschreibetafel im Abfüll- bzw. Wichskeller - die Fassreinigungsmaschine nannte man Wichs - um zu sehen, was ausgeliefert wurde. An dieser Anschreibetafel wurde vom Versandleiter täglich angeschrieben, welche Fuhren jeder LKW bzw. jedes Fuhrwerk zu machen hatte mit den entsprechenden Kunden und der jeweiligen Fassbiermenge. Jeder Bierkunde hatte seine eigene Fassnummer und diese mußte dann auf die zu verladenden Fässer mit Kreide geschrieben werden. Der Angeber nannte Fassnummer und Literzahl und der Buchhalter, hat diese Angaben in das Kellereibuch übertragen. Das Nummernangeben an den Biertransportfässern war eine Sache für sich, denn jeder Angeber hat sich eine besondere Tonlage angeeignet, was sich dann oft schon ulkig anhörte. Dies war zollamtlich vorgeschrieben. Die Kellerbücher mussten seinerzeit jeden Montat zur Kontrolle neben Malz- und Sudbücher ins Zollamt gegeben werden. Der Zollkommissar kam jede Woche 2 - 3 mal in die Brauerei zur Kontrolle. Malzbuch, Sudbuch minus 12 - 13 % Schwund im Lagerkeller bzw. Abfüllkeller mussten den Ausstoß ergeben.

Die Lagerkelleranlagen der Brauerei Warthausen waren am Schloßberg angebaut und wurden vom Sudhaus aus teils unter bzw. über die Straße beschickt. Die Lagerkeller waren damals noch zum größten Teil mit Holzfässern bestück mit ca. 40 - 50 hl Inhalt. Doch auch wurden schon Alu- und Stahltanks verwendet mit einem Inhalt bis zu 180 hl. Die Gesamtlagerkapazität betrug ca. 10.000 - 12.000 hl, also ca. 1/6 des Jahresausstoßes, so dass das Bier mindestens 8 Wochen gelagert werden konnte, was zur guten Qualität beitrug. Abgefüllt wurden die Transportfässer in einer 3er-Anlage. Es konnten 3 Fässer gleichzeitg abgefüllt werden und damals noch ausschließlich in Holzfässern von 8 - 60 Litern bzw. besondere Kunden in 100-l-Fässern. Anschließend an den Abfüllkeller befand sich der Gärkeller.Die Bierhefe die sich absetzte wurde in früheren Zeiten noch an Bäckereien verkauft, dies war ein privates Nebeneinkommen für den Braumeister. Auch viele Warthauser haben Bierhefe direkt im Gärkeller abgeholt und bei Keuchhusten war der Aufenthalt im kohlesäurehaltigen Gärkeller oft von heilender Wirkung. Der Gärführer, wie der Vorarbeiter im Gärkeller genannnt wurde, war ein bevorzugter Posten in der Brauereifacharbeiter.

Die Flaschenabfüllung, die vom Bauereihof aus zugänglich war, weil hier auch das Flaschenleergut gestapelt wurde, war in den 30-er-Jahren noch ziemlich rückständig. Die Flaschenreinigungs-maschine hat nur eine Einzelaufnahme vom 8 Flaschen, was natürlich eine viel zu geringe Kapazität war und die Flaschenfüllmaschine in ähnlicher Ausführung entsprach keiner Weise mehr den Anforderungen der Zeit. Jede Flasche mußte noch einzeln mit Bügelverschluss verschlossen werden, bis dann die Kronkorkenverschlüsse kamen. Das Sortiment der Bierflaschen war 0,5 / 0,7 und Literflaschen. 0,5 und Literflaschen waren die gebräuchlichsten. Die 0,7-Liter-Flasche wurde hauptsächlich im Allgäu verwendet und nur in kleinen Mengen bei der übrigen Kundschaft. Der Kasten Liter-Flaschen umfasste 20 Flaschen und hatte ein Gewicht von ca. 40 kg. Der Lagerarbeiter im Flaschenkeller musste jeweils 5 Kästen aufeinander stapeln und täglich bis zu 300 Kästen. Auch beim Beladen der Fahrzeuge mussten die Kasten vom Bierkeller ins Freie getragen werden und auf den LKW geladen werden, später wurden dann Laufbänder ins Freie angeschafft.

Die Mälzerei hatte den größten Anteil am Brauereigebäude. In 4 Stockwerken wurde Malz hergestellt. Gerste wurde noch sehr viel von den Baueren der Gegend gekauft, aber auch die bäuerliche Kundschaft lieferte sehr viel Braugerste an, doch mangelte es eben an der Qualität der Gerste, denn unsere Gersten-Sorten sind keine ausgesprochenen Braugersten, welche feinspezlig sein sollten. Die beste Braugerste wurde aus der Pfalz und Nordost-Württemberg (Künzelsau) geliefert und über Großhändler eingekauft.

Der Brauerei angeschlossen war eine Küferei und Picherei. Da zum Transport von Bier fast ausschließlich Holzfässer verwendet wurden, mußten diese Fässer immer wieder instand gesetzt werden . Flüssiges, geruchloses Pech wurde in einem Spritzverfahren in die Fässer gespritzt. Schon bei der Fassreinigung wurden die angeschlagenen Fässer aussortiert. Auch die großen Lagerfässer mußten immer wieder ausgelagert werden. Das Auskellern war oft eine Milimeterarbeit und mußte meistens mit Flaschenzügen bewerkstelligt werden. Überhaupt war auch das Reinigen der Lagerfässer eine spezielle Arbeit. Durch das Schlupfloch mußte sich der Bierbrauer in das Innere des Fasses quälen um es reinigen zu können. Fass-Schlupfen war eine unangenehme Arbeit, zumal es dabei auch sehr feucht zuging.

In dieser Zeit waren ungefähr 60 - 65 Personen in der Brauerei beschäftigt zumal die Pferdefahrer auch in der dazugehörenden Landwirtschaft beschäftigt waren. In Warthausen gehörte es damals zum guten Ton und fast war es eine Selbstverständlichkeit, dass man in der Brauerei arbeitete. Denn der Verdienst war gut und zudem hatte man sein Hausbier. Bierfahrer erhielten täglich 3 Liter, Bierbrauer 4 Liter, Biersieder und Mälzer 5 Liter Haustrunk. Diese Bierdeputate mussten seinerzeit noch täglich über Biermarken in der Brauereigaststätte eingelöst werden. Wer seine Biermarken nicht vollständig engelöst hatte, bekam eben am nächsten Tag entsprechend weniger, was jedoch nicht allzu oft der Fall war. Brauereiwirt Ferdinand Gerster schenke das Biermarken-Bier aus, das dann im Schalander (Aufenthaltsraum) getrunken wurde. Später konnte das Haustrunkbier im Kasten nach Hause genommen werden. Wenn man bedenkt dass ein Bierfahrer, der von seinem 18. bis 65.Lebensjahr Bierfahrer war, täglich 3 Liter Bier getrunken hat, so ergab das immerhin eine Menge von 42.000 Litern, ohne das Kundschaftsbier das er täglich erhielt.

Die Zeit vor dem 2. Weltkrieg brachte bereits einschneidende Veränderungen. Zum Bau des Westwalls mußten LKW samt Fahrer abgestellt werden um Materialtransporte zu bewerkstelligen. Es wurde hierfür wohl eine Entschädigung bezahlt, doch zu Hause mussten Mietfahrzeuge eingesetzt werden. Gleich bei Beginn des 2. Weltkrieges im September 1939 wurden viele wehrpflichtige Männer als Soldaten eingezogen. Bald nach Ende des Frankreichfeldzuges im Sommer 1940 kamen belgische Kriegsgefangene in die Brauerei. Gerste und Malz wurden kontigentiert und auch die Belieferung der Kunden mit Bier wurde wegen der Kontigentierung unterstellt, wobei natürlich öfter ein Auge zugedrückt wurde um den Wünschen der Kunden doch noch einigermaßen entgegenzukommen. Da auch Benzin, Diesel und Reifen der Kriegsbewirtschaftung unterstellt waren, war es oft schwierig, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Umsatz an Bier während des 2. Weltkrieses blieb ziemlich konstant, da auch Militäreinheiten wie in Friedrichshafen und Münsingen beliefert wurden.

Die Brauereigebäude hatten den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden, doch in den ersten Nachkriegsjahren kam die Produktion fast zum erliegen. Bier mußte fast ausschließlich an das französiche Militär und vor allem an die UNRA - eine Hilfsorganisation der Besatzungsmacht für ehemalige Fremdarbeiter etc. geliefert werden. Aufgrund der zur Bierherstellung fehlenden Rohstoffen wurde zeitweise ein Molkebier, genannt Käswasserbier hergestellt. Dies war eine Erfindung aus der Not heraus, hatte allerdings mit Bier wenig gemeinsam. Da es im Brauereigewerbe immer noch zu wenig Arbeit gab, wurden die aus der Wehrmacht und Gefangenschaft zurückkehrenden Arbeiter zum Teil im Nehr'schen Wald eingesetzt. Mit der Währungsreform im Juni 1948 kehrte auch im Brauereigewerbe wieder langsam normales Leben ein. Rohstoffen konnten wieder beschafft werden und die Bierherstellung lief wieder voll an. Neue LKW wurden gekauft und es ging wieder aufwärts. In dieser Zeit lieferte die Brauerei Warthausen auch Bier an die damals noch kleine Brauerei Ott in Bad Schussenried. Auch die Brauerei Olpp in Bad Urach holte Bier in Warthausen ab. Der Schreiber dieser Chronik, Walter Merk, begann nach 10-jähriger Abwesenheit durch Arbeitsdienst, Wehrmacht, und fast 6-järiger Kriegsgefangenenschaft im Januar 1950 wieder seine kaufmännische Tätigkeit.

Das Wirtschaftswunder zeigte auch im Brauereigebäude seine Früchte und die Aufwärtsentwicklung war nicht aufzuhalten. Doch dass man noch mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, zeigte sich auch daran, dass man noch mit Holzgas angetriebene LKW fahren mußte. Wenn man z.B. nach Friedrichshafen fuhr, mußten immer 6-8 Säcke Holz mitgenommern werden um genügend Brennstoff dabei zu haben. Die Geschwindigkeit betrug dann 38 km/h. Um den Umsatz weiter zu fördern, wurden neue Bierniederlagen aufgemacht, wie in Krauchenwies, Singen-Hohentwiel, Neuhausen-Fildern, Stuttgart und Bad Urach. Auch der alkohlfreie Umsatz wurde forciert und die Brauerei stellte selbst Schwabenlimonade her und vertrieb auch Fremdprodukte wie Chabeso etc. Für den alkoholfreien Betrieb wurde ein eigenes Fahrzeug eingesetzt. Der damalige Verkaufsfahrer Anton Mayer setzte sich sehr für steigenden Umsatz mit gutem Erfolg ein. 1955 wurde der alte Gärkeller total umgebaut und war somit für Jahre der modernste seiner Art im Vertriebsgebiet der Brauerei Warthausen. Eine neu Flaschenreinigungsmaschine mit einer Stundenleistung von 3.000 Flaschen wurde in Betrieb genommen, ebenso neue Etikettierungsmaschinen um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Die Brauerei Warthausen hatte fast wieder zum Vorkriegsumsatz von 60.000 hl zurückgefunden.

In diese Zeit fiel auch die Neugestaltung des Biervertriebes. Flaschenbierhandlungen wurden vieler Orts eröffnet. Fast jedes Lebensmittelgeschäft führte nunmehr auch Flaschenbier. Der Heimdienst mit eigenen Verkaufsfahrzeugen und Verkaufsfahrern wurde großzügig gefördert. Sehr viele Privathaushalte bezogen nun kastenweise ihr Bier. Die Brauerei Warthausen hatte selbst 20 eigene Gaststätten, davon allein in Biberach 10, wie z.B. Hotel Württemberger Hof, Posthörnle, Gasthaus Wilder Mann, Drei Tannen, Weißer Ochsen, die Stadtwirtschaft, Felsengarten, nur um einige zu nennen. Weiter eigene Wirtschaften befanden sich in Warthausen (Bahnhofswirtschaft) in Bad Schussenried, Saulgau, Bad Wurzach, Ravensburg, Friedrichshafen und Ulm. Der Reparatur- bzw. die Wiederherstellung nach Kriegsschäden erforderte sehr viel Geld, doch es lohnte sich im ganzen Oberland mit eigenen Gaststätten vertreten zu sein. Obwohl Warthausen ja ziemlich zentral gelegen war, blieb die Entfernung von Friedrichshafen nach Stuttgart doch groß. Depotverwalter Eugen Vögele in Friedrichshafen war ein Garant für die Beliebtheit des Warthauser Bieres. In der Bierniederlage Münsingen war Karl Eppinger als Verwalter tätig, zugleich der Hahnenwirt von Münsingen. Viele Jahre war Karl Eppinger Stadtrat und stellvertretende Bürgermeister der Stadt Münsingen.

Bald nach Übernahme der Brauereiführung durch Anita Brand wurde in Ulm das Hotel "zum Rad" in der Neuen Straße erbaut. Bei der Einweihung wirkte u.a. Heinrich Sembinelli aus Biberach mit, damals sehr bekannt als Oberwschwäbsicher Humorist. Die gesamte Brauereibelegschaft war zur Einweihung eingeladen.

Das Büro war im ersten Stock des Braureigebäudes über der Brauereigaststätte. Zentraler Raum war das Direktionszimmer, dessen Türe immer offen stand, so dass der jeweilige Brauereidirektor stets einen Überblick hatte, was im Büro vor sich ging. 1938 hatte man noch Stehpulte mit Drehstühlen. Als Bürolehrling musste man allerdings stehen. Versandleitung und Buchhaltung waren in einem Raum, jedoch kfm. getrennt, da ja der Versandleiter oft unterwegs war. Die Kontokorrentbücher waren so groß und schwer, dass es schon fast an Schwerstarbeit grenzte, diese Bücher zu bewegen. Im Laufe der folgenden Jahre änderte sich dies natürlich, denn man passte sich der modernen Entwicklung an. Wer im Addieren schwach war, der konnte es in der Brauerei Warthausen lernen. Mussten doch täglich die Bieraufnahmen, oft 30-40 Posten addiert werden. Im Bierversandbuch, das damals handschriftlich geführt wurde, waren Zahlenreihen von 50 - 60 Posten und das 20 Seiten. Wir Lehrlinge und auch noch später haben oft um die Wette addiert, einmal rauf, einmal runter und es mußte stimmten, da konnte es uns niemand so leicht etwas vormachen. Additionsmaschinen wurden erst in den 60iger Jahren angeschafft und dann auch noch moderne Buchhaltungsmaschinen. Bierrechnungen wurden immer von Hand geschrieben und zum Monatsersten war dies immer die zentrale Arbeit in den ersten Monatstagen.

Das Büro war zugleich der Besuchsraum für die Kundschaft. Früher zahlte die Wirtekundschaft ihre Bierrechnungen zum größten Teil noch bar. Entweder gab man das Biergeld dem Bierfahrer mit, oder die Kundschaft kam persönlich zur Brauerei. Durch diesen vielen Besuche hatte man einen guten Kontakt zur Kundschaft, vor allem zur weiblichen Kundschaft. Es kam nicht selten vor, dass irgend etwas Gutes für die Angestellten abfiel. Die Bierzahler wurden dann immer in die Brauereigaststätte zum Essen eingeladen, was natürlich gerne angenommen wurde. Ab und zu wurde das Entgegenkommen auch reichlich ausgenützt und übertrieben. Durchschnittlich waren 6 Angestellte im Büro tätig, ausserdem 2 - 3 Biervertreter

Das Sudhaus, das Glanzstück, im wahrsten Sinne des Wortes, lag an der Vorderfront der Brauerei, mit 2 großen Fenstern gegen die Ehinger Straße. Die Maisch- und Würzepfanne, waren diese leuchtenden Glanzstücke. Jeden Tag nach dem Sudvorgang mußten dieselben mit einem Hefe- und Schwefelsäuregemisch äußerlich geputzt und poliert werden, das war der Stolz der Biersieder. Biersieden ist eine ziemlich schweißtreibende Arbeit, denn die Temperaturen sind durch den Kochvorgang des Bieres ziemlich hoch. Biersieder zu sein, war immer ein gehobener und gut bezahlter Posten. Der Abfall im Sudhaus war der Biertreber und wurde ausschließlich für die eigene Viehfütterung verwendet oder es wurde der Treber von den Bauern aus Röhrwangen, Schemmerhofen und Ingerkingen abgeholt.

In Wiest's Haus, früher Zehntstadel vom Schloss Warthausen waren vor dem 2. Weltkrieg die Autowerkstätte, sowie Garagen untergebracht. Der damalige Werkstattmeister Halder war ein Meister seines Fachs und er hat oft die schwierigsten Reparaturfälle mit einfachen Mitteln an den LKW's gemeistert. Später wurde die Reparaturwerkstätte ins Brauereigelände verlegt. Weitere LKW-Garagen befanden sich längere Jahre im landwirtschaftlichen Gebäude mußte aber dann einer Stallerweiterung Platz machen.

Eingang zur Brauereiwirtschaft

Das Maschinenhaus bzw. die Maschinen wurden mittels Dampf betrieben. Zwei Dampfkessel sorgten dafür, dass die Maschinisten immer genug zu tun hatten. In den 60-er Jahren wurden die Dampfkessel durch Heizölkessel ersetzt und es wurde von Kohle auf schweres Heizöl umgestellt. Neben dem Kesselhaus befand sich die Pumpstation der Ortswasserversorgung der Gemeinde Warthausen. Die Quelle, Schüttung von 12-14 Litern pro Sekunde. Die Brauerei hatte somit kostenloses Wasser von vorzüglicher Qualität.

Zur sozialen Lage kann noch erwähnt werden, dass für die Betriebsangehörigen ein Wannenbad eingerichtet wurde, das zur freien Verfügung stand. Auch wurde über die Flaschenreinigung im nächsten Stock ein neuer Aufenthaltsraum eingerichtet, der gegenüber dem alten Schalander wesentlich freundlicher war. Bekamen doch damals schon ausgeschiedene Betriebsangehörige bzw. deren Witwen eine Betriebsrente. Der größte Teil der Betriebsangehörigen waren gewerkschaftlich organisiert, was mit ein Verdienst des damligen Betriebsratsvorsitzenden Stefan Utz gewesen war. Sein gutes Verhältnis zur Betriebsleitung wurde von Arbeitegeber und Arbeitnehmer geschätzt und anerkannt. 20 Jahre lang übte er dieses Amt zum Wohle der Arbeitstkollegen aus und es kann hierbei erwähnt werden, dass diese gewerkschaftliche Geschlossenheit ein großer Vorteil beim Verkauf der Brauerei Warthausen war. Konnten doch hierbei in zähen Verhandlungen die Abfindungen für die ausscheidenden Arbeitnehmer festgelegt und geregelt werden. Besonders zu erwähnen ist hierbei, dass erreicht wurde, dass die Betriebszeiten der Angehörigkeit zur Brauerei Warthausen in Bezug auf einer Betriebsrente vom Käufer der Brauerei anerkannt wurde.



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